Der blinde Fleck: Warum wir uns selbst beim Sprechen nicht hören

Wir hören unsere eigene Stimme schlechter als jede andere. Aber nicht weil wir unaufmerksam sind, sondern weil wir zu nah dran sind. Zwischen Intention und Wirkung entsteht ein blinder Fleck, der in Teams oft mehr Missverständnisse erzeugt als jede fehlende Methode. Wirkliche Klarheit entsteht erst, wenn wir den Mut haben, über Kommunikation zu sprechen, statt nur zu kommunizieren. Metakommunikation senkt die psychologische Hürde, öffnet Resonanzräume und macht sichtbar, was sonst verborgen bleibt. Dieser Artikel zeigt, wie Führungskräfte diesen blinden Fleck verkleinern, warum Spiegelung Vertrauen schafft und wie kleine metakommunikative Momente die Qualität ganzer Gespräche verändern.

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Aristoteles geheime Formel

Vor mehr als 2.000 Jahren skizzierte Aristoteles in seinem Werk Rhetorik eine Formel, wie Sie Ihre Ideen und Ihre Vorstellungen erfolgreich transportieren und andere überzeugen können. Dazu hat er drei rhetorische Mittel identifiziert, die Sie gleich in Ihrer nächsten Präsentation verwenden könnten:

1. Ethos – der Charakter

Ethos basiert auf der Annahme, dass das Publikum eher einer Person zuhört und ihre Botschaft akzeptiert, wenn sie als vertrauenswürdig, kompetent und integer wahrgenommen wird.

Als Menschen suchen wir Gründe, um anderen zu vertrauen. Unsere Vorfahren hatten meistens nicht mehr als einen Wimpernschlag Zeit festzustellen, ob ein Fremder Freund oder Feind war. Diese Schnelligkeit haben wir beibehalten und überlegen nicht lange, ob wir jemanden unser Vertrauen schenken. Eine einfache Erinnerung daran, dass Sie sich für das Wohlergehen anderer einsetzen, bevor Sie Ihre Argumente darlegen, stärkt Ihre Glaubwürdigkeit.

2. Logos – der Grund

Logos bezieht sich auf die Anwendung von Logik, Argumentation und rationalen Überlegungen, um andere von Ihrer Idee zu überzeugen. Durch klare und rationale Argumentation können Sie die Vernunft des Publikums ansprechen. Logische Argumente und Datenanalyse geben Unternehmen in ihrer Entscheidungsfindung auch eine solide Grundlage und erhöhen so ihre Erfolgschancen.

Wie wird Ihre Idee Ihren Zuhörern helfen, erfolgreich zu sein? Welche Schritte müssen sie als nächstes unternehmen? Das sind Beispiele für logische Appelle, die Sie dabei unterstützung, Unterstützung zu gewinnen. Verwenden Sie Daten, Beweise und Fakten, um ein rationales Argument zu formulieren.

3. Pathos – die Emotion

Ohne Emotionen kann man andere nicht überzeugen – das wusste auch schon Aristoteles. Menschen werden letztlich nur durch die Gefühle, die eine Rede ihnen vermittelt, zum Handeln bewegt. Der beste Weg, Emotionen zu übertragen, ist der Einsatz von Storytelling. Studien haben ergeben, dass Erzählungen einen Ansturm von Neurochemikalien im Gehirn auslösen, insbesondere Oxytocin, das empathische Hormon, das Menschen auf einer tieferen, emotionalen Ebene verbindet.

Erzählen Sie eine persönliche Geschichte. Authentisch erzählte Geschichten über Misserfolge, Unbeholfenheit, Unglück, Gefahr oder Katastrophe führen dazu, dass Menschen sich engagieren und erste Schritte setzen.

Aristoteles war fest davon überzeugt, dass Überzeugungsarbeit erlernbar ist. Er vertrat die Idee, dass die Fähigkeit einer Person, gut zu sprechen und rhetorische Mittel einzusetzen, um die Perspektive eines anderen zu ändern, menschliches Potenzial freisetzen und das Glück maximieren. Die Werkzeuge, mit denen wir Ideen kommunizieren, haben sich in den letzten zweitausend Jahren verändert, aber nicht die Formel, um diese Ideen zu transportieren. Versuchen Sie es doch selbst einmal und lassen Sie sich überzeugen, um Ihren Ideen Flügel wachsen zu lassen.

Neu im BA-Podcast: Der Mann hinter Stattys

Im Business-Analyse-Podcast gibt es eine neue Folge über den Mann hinter Stattys, Mikko Mannila:

BA-Podcast Episode 26

Wer immer auf dieselbe Art und Weise denkt, wird immer dieselben Ideen produzieren. Kommunikationsmittel sollten die Zusammenarbeit, den Gedankenaustausch und die Visualisierung im Team effizient unterstützen. Eines davon stellen wir heute vor.

In einer kurzen Episode direkt vom Schwedenplatz in Wien sprechen wir mit Mikko Mannila über neue Wege der Visualisierung. Dabei erzählt er uns, wie er überhaupt auf den Namen Stattys gekommen ist, welche die meist gekaufteste Farbe ist und lädt zu neuem Denken ein. Warum sich Mikko selbst Onlinehändler nennt, wann Ihr ihn mal live in Wien treffen könnt und welche Unterlagen die selbsthaftenden Notizen brauchen, erfahrt Ihr hier.

Die neue Folge können Sie in Ihrem Podcast-Player abonnieren oder direkt auf BusinessAnalysePodcast.de im Browser hören! Viel Spaß!

Fragen, fragen und nochmals fragen

Wir Großen können von den Kleinen viel lernen: Mein Neffe kommt gerade in das Alter, bei dem er einen hervorragenden Business Analysten abgeben würde. Jeder seiner Sätze beginnt mit einem „Warum“ oder „Wieso“ und er lässt nicht locker, bis er eine Antwort bekommen hat, mit der er auch etwas anfangen zu können scheint. Kaum hat er eine Antwort auf diese Frage und ich atme durch, in der HoffnuFragenng, nochmals mit einem blauen Auge davongekommen zu sein, stellt er schon die nächste.
Genau das unterscheidet die besten von den guten Business Analysten: Sie sind neugierig und trauen sich, die Fragen, die ihnen auf der Zunge liegen, zu stellen. Und sie wissen, dass derjenige, der fragt, auch führt.

Natürlich. Es gibt viele Gründe, die wir uns einreden, warum wir eine Frage nicht stellen konnten: Vielleicht ist diese Frage bereits gestellt worden und es kam auch schon eine Antwort, die uns aber nicht befriedigt hat. Oder wir haben die Antwort nicht verstanden und trauen uns nicht, nochmals nachzufragen. Vielleicht denken wir auch, wir könnten die Antwort von jemand anderem bekommen und es wäre besser, denjenigen zu fragen und hier nicht alle aufzuhalten.

Aber: Bevor Du nicht fragst, finde lieber einen Weg, wie Du mit Deiner Unsicherheit umgehen kannst und schalte den Kritiker in Deinem Kopf auf stumm. Stell solange Fragen, bis Du auch eine Antwort bekommen hast, mit der Du Dich zufrieden fühlst.Lies weiter

Mythos Multitasking

Gestern Abend ist es wieder passiert: Ich sitze mit meinem Vater an einem Tisch und bespreche etwas, als das Telefon läutet. Gleichzeitig höre ich ein mir bekanntes und unliebsames Geräusch aus der Küche: Das kochende Wasser hat den Topf verlassen… Während ich also mit dem Telefon in der Schulter eingeklemmt in die Küche laufe, höre ich meinen Vater weiterreden, beim Telefonat weiß ich auch nach 10 sek. noch nicht, wer eigentlich am andere Ende dran ist. Fazit: Mein Vater ist beleidigt, weil ich ihm nicht zuhöre, mein Gesprächspartner hat aufgelegt (und mit unbekannter Nummer angerufen) und die Küche sieht aus wie, naja, eh schon wissen…

MultitaskingEs ist in aller Munde und kaum jemand, der nicht stolz darauf verweist, wie gut er oder sie nicht darin ist: Multitasking. Diese Fähigkeit wird vor allem Frauen nachgesagt, Männer haben den großen Vorteil, dass sie von diesem Mythos nicht betroffen, sondern sogar meistens explizit ausgenommen sind. Wenn ich das Wort „Multitasking“ höre, dann schießt mir folgendes Bild in den Kopf: Eine Frau, die ein Baby im Arm hält, telefoniert, gleichzeitig die Türe mit dem Fuß aufkickt und dem anderen Kind sagt, dass sie sieht, was es gerade macht 😉

Wir befinden uns in einer so schnelllebigen Zeit, dass die Verlockung nahe liegt, alle Dinge auf einmal zu machen, damit wieder mehr Zeit für anderes vorhanden ist. Wie ein Jongleur nehmen wir immer eine Tätigkeit mehr um die anderen auf, während die andere aus der Luft rasant schnell auf uns zuschießt. Anstatt der erhofften Zeitersparnis führt es dazu, dass meistens alle Bälle gleichzeitig am Boden landen.Lies weiter

Kommunizierst Du weiblich oder männlich?

männliche und weibliche Kommunikation

Wer kennt diese Vorurteile nicht: Frauen reden um den heißen Brei, während Männer sofort tacheles sprechen und zum Punkt kommen. Ist das wirklich ein Klischee oder steckt da nicht ein Fünkchen Wahrheit dahinter?

Ich hörte vor einige Zeit einen spannenden Vortrag zum Thema Geschlechterentwicklung, in dem die These vertreten wurde, dass das Geschlecht hauptsächlich erzogen wird. Ganz vereinfacht sieht es demnach so aus, dass die Genetik vorschreibt, ob wir als Mann oder Frau auf die Welt kommen, die Erzieher erledigen quasi den Rest (also ob das Mädchen mit Barbie spielt oder das Feuerwehrauto herauskramt, ob der Bub lieber Fußball spielt oder in der Puppenküche Teegesellschaften gibt).

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Von Denksprechern, Sprechdenkern und Schreibdenkern

Von Denksprechern, Sprechdenkern und Schreibdenkern

Gerade im Design Thinking setzen wir auf viele verschiedene Wege, um Probleme zu lösen. Aber im Grunde gibt es meiner Meinung nach neben den visuellen Denkern vor allem zwei Arten von Denkern: Die einen, die während des Sprechens zum Denken beginnen, die sogenannten Sprechdenker, und die anderen, die vorher sehr lange und gründlich grübeln bevor sie etwas sagen, die Denksprecher. Beide Vorgehen haben ihre Berechtigung, keine Frage.

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Während der Sprechdenker erst im Dialog die genialsten Ideen hervorbringt, gelingt das dem stillen Denksprecher eher in der Zurückgezogenheit, bei sich, in Ruhe. Das Denken geschieht dann einfach, der Geist öffnet sich und schwups – der Gedanke ist da.

Ich gehöre wohl eher zu der ersteren Gruppe, meine Gedanken entstehen in der Reflexion und im Dialog mit anderen Menschen. Das ist vielleicht auch der Grund, warum ich so gerne spazieren gehe – in der Bewegung kommt alles in Gang, nicht nur der Körper, sondern eben auch der Geist.

Gefährlich kann es allerdings für Sprechdenker dann werden, wenn sie unbedacht drauf losquatschen und sich vorher nicht die Zeit nehmen zu überlegen, was wir eigentlich wie wem sagen.
Ein Beispiel: Neulich habe ich mit einer Freundin einen Spaziergang unternommen und war vollkommen in Gedanken versunken. Wir haben uns über Gott und die Welt unterhalten, alles schien wie immer zu sein. Doch plötzlich, mitten im Satz, blieb sie stehen und starrte mich an. Ups. Mir Schoß es heiß durch den Kopf: Irgendetwas muss ich wohl gesagt haben, dass ihren Nerv getroffen hat… Was konnte das nur sein? Schon leicht in Panik versetzt ließ ich das gesamte Gespräch in Ultrakurzzeit revue passieren – stopp: Da war es! Nochmals zurückgespult und dann in Zeitlupe: Ich hatte mich gerade über eine Sache lustig gemacht, die sie mir neulich anvertraut hat und ich hatte vergessen, wer mir das erzählt hat. Doppelups. Wie peinlich. Wie blöd. Wie verletztend. Wie ungeschickt. Wie komm ich da nur wieder halbwegs heil heraus?

Normalerweise zähle ich mich zu den Menschen, die sehr emphatisch auf ihr Umfeld reagieren. Das ist meiner Meinung nach auch eine wichtige Eigenschaft, die ein guter Berater mitbringen muss: Er sollte sein Gegenüber gut einschätzen können, die richtigen Fragen zur rechten Zeit stellen, wissen, wann es wichtig ist zu schweigen und wann wieder ein Input nötig ist, niemals voreingenommen in ein Gespräch gehen und ein Meister im Lesen der Körpersprache sein.
Das ist notwendig, um gemeinsam Lösungen zu finden, die angenommen werden können, das System als Ganzes zu verstehen und so wirklich Nutzen zu bringen.

Sei deswegen auch in einem Gespräch immer gut vorbereitet. Du musst wissen, wen Du was genau sagen möchtest: Worum geht es in dem Gespräch? Was ist der Grund für das Treffen? Was soll dabei erreicht werden? Soll eine Entscheidung getroffen werden oder geht es nur darum, dass Infos eingeholt werden sollen? Wer ist aller involviert, wer gehört eingeladen oder hinzugefügt?
Nur wenn Du Dir im Vorfeld darüber schon Gedanken gemacht hast, wirst Du die nützlichsten Infos liefern bzw. bekommen.

Die Gefahr beim Sprechdenken liegt nun allerdings darin: Wenn wir einfach so drauf losreden wie uns der Schnabel gewachsen ist, kann der Empfänger schnell dicht machen. Entweder prasseln dann plötzlich zu viele unnötige Informationen auf unser Gegenüber ein, sodass er auf als eine Art Schutzschild auf Durchzug schaltet, um seine Gehirnkapazität nicht unnötig zu belasten. Oder die Nachricht kommt nicht an, weil der Zusammenhang zu dem Thema fehlt und sich Dein Gegenüber fragt, warum Du seine kostbare Zeit so verschwendest.
Oder wir manövrieren uns, wie ich im obigen Beispiel, in eine unangenehme Situation hinein und alles straucheln und versuchen, da wieder heil herauszukommen, macht die Sache nur noch schlimmer.
All diese Situationen können die folgenden Gespräche erschweren. Der Gesprächspartner antwortet dann immer in größeren Zeitabständen auf unsere Fragen, die ganze Körperhaltung verrät seine Unsicherheit und sein Unwohl, Themen werden schnell gewechselt und Verunsicherung auf beiden Seiten zerstört das ganze Gespräch, so konstruktiv es vielleicht begonnen hat.

Ich für meinen Teil habe beschlossen, dass ich einen anderen Weg einschlage: Ich versuche mich als Schreibdenker. Dazu schreibe ich zunächst mal all meine Gedanken nieder und gehe dann erst in die Gespräche. So bin ich gut vorbereitet, kann mir die wesentlichen Punkte nochmals ansehen, aber ich bin nicht belastet, weil mein Kopf frei ist von allem möglichen, das mich bis dahin beschäftigt hat. Und ich kann mich so wieder voll und ganz auf das Gespräch und mein Gegenüber konzentrieren (und so dem einen oder anderem Fettnäpfchen vielleicht ausweichen).

Zu welcher Gruppe gehörst Du? Welche Erfahrungen hast Du mit anderen Sprechdenkern oder Denksprechern gemacht?
Ich freue mich von Euch zu hören!