DT735: Die vier Arten der Innovation

Warum Innovation mehr ist als Disruption

Kennst du das? Ein Unternehmen ruft „Wir wollen disruptiv sein!“, aber am Ende landet man doch wieder bei einer optimierten Excel-Liste. Das liegt nicht an fehlendem Mut, sondern an einem Missverständnis: Innovation ist nicht linear. Die Forschung von Gary Pisano zeigt vier klar unterscheidbare Arten und zwar von klein bis systemverändernd. Und jede davon erzeugt eigene Widerstände, eigene Emotionen und braucht ein völlig anderes Vorgehen. Wenn Teams das nicht auseinanderhalten, reden alle vom selben Wort, meinen aber unterschiedliche Dinge. In dieser Episode schauen wir uns an, warum Unternehmen ständig disruptive Innovation fordern, aber in Wahrheit meist Routine-Innovation leben. Und warum genau das nicht das Problem ist.

Aus dem Inhalt

Die verschiedenen Arten der Innovation

In dieser Episode öffnen wir die Innovations-Matrix nach Gary Pisano und zeigen, warum Innovation weit mehr ist als „disruptiv oder nichts“. Wir sprechen darüber, wie Schumpeter, Christensen und der lateinische Ursprung innovare den Begriff geprägt haben – und warum Unternehmen oft vom selben reden, aber völlig Unterschiedliches meinen. Vier Innovationsarten, zwei Dimensionen (Technologie & Geschäftsmodell) – und eine Matrix, die wir diesmal Stück für Stück entzaubern.

Die vier Arten der Innovation: Routine-Innovation, Disruptive Innovation, Radikale Innovation, Architektonische Innovation
Die vier Arten der Innovation nach Gary Pisano et al.

Routine-Innovation

Warum fordern Führungskräfte Disruption, leben aber Routine? Wir tauchen ein in das Spannungsfeld zwischen sicherer Routineinnovation und dem glänzenden Ruf der disruptiven Innovation. Mit Beispielen wie Spotify, Restaurant-Optimierungen zeigen wir, wie viel Potenzial in kleinen Verbesserungen steckt – und warum sie oft unterschätzt werden. Gleichzeitig stellen wir die entscheidende Frage: Wann reicht Optimieren nicht mehr aus?

Disruptive Innovation

Disruption klingt aufregend – bis man selbst davor steht. Wir sprechen über Angst vor Kannibalisierung, das Loslassen bestehender Geschäftsmodelle und die Unsicherheit neuer Märkte. Mit Beispielen wie Airbnb und Netflix wird klar: Disruptive Innovation nutzt oft bekannte Technologien, bricht aber radikal mit Geschäftslogiken. Doch was passiert, wenn plötzlich völlig neue Zielgruppen ins Spiel kommen? Und wie hilft Design Thinking, diese unbekannten Kundensegmente zu verstehen?

Radikale Innovation

An diesem Punkt tauchen wir in jene Innovationsform ein, bei der das technologische Fundament neu erfunden wird, während das Geschäftsmodell gleich bleibt. Wir sprechen über Beispiele wie die Umstellung von analoger auf digitale Fotografie oder den Einsatz von mRNA-Technologie, die das Impfen nicht neu denkt, aber technologisch auf ein völlig anderes Niveau hebt. Spannend ist: Radikale Innovation wird oft überschätzt, weil neue Technologien so sichtbar sind – aber was bedeutet das für Teams, für Kundinnen und Kunden und für die Lernkurve im Unternehmen? Und wie können wir mit Prototyping und frühem Testen herausfinden, ob Menschen mit einer solchen Technologie überhaupt zurechtkommen?

Architektonische Innovation

Jetzt wird es spannend. Die architektonische Innovation verändert gleichzeitig Technologie und Geschäftsmodell und schafft völlig neue Ökosysteme. Wir sprechen über Beispiele wie Tesla, autonomes Fahren, Mobilitätsplattformen oder Smart-Home-Systeme, bei denen ganze Organisationsstrukturen und Marktlogiken aufbrechen müssen. Warum fällt es Unternehmen so schwer, Beziehungen zwischen Elementen zu erkennen, während sie an alten Strukturen festhalten? Und weshalb spielt genau hier systemisches Denken eine zentrale Rolle?

Wir berichten von erhellendenSmart-Home-Erlebnissen, von überforderten Nutzerinnen, die einfach nur einen Lichtschalter wollen, bis zu Systemen, die mehr reden als funktionieren. Warum scheitern Produkte oft nicht an der Technik, sondern daran, wie sie sich anfühlen? Und wie hilft eine Customer Journey Map oder ein Service Blueprint, genau diese Lücke sichtbar zu machen?

Strategien für erfolgreiche Innovation

Innovation braucht Strategie – und zwar eine, die alle vier Innovationsarten berücksichtigt. Wir erklären, warum viele Unternehmen scheitern, weil sie die falsche Art von Innovation zur falschen Zeit verfolgen. Und wir zeigen auf, wie Portfolioanalysen, klare Innovationsziele und ein ausgewogenes Vorgehen helfen, Risiken zu senken und Potenziale zu heben. Wo lohnt sich Routine? Wo kann man kleine disruptive Experimente wagen? Und warum überschätzen so viele die radikale Innovation, nur weil Technologie sichtbarer ist als Geschäftslogik?

Hörerfrage zur Innovationsstrategie

Zum Abschluss geben wir eine Reflexionsfrage mit:

Welche Art von Innovation würde dein Unternehmen aktuell am dringendsten brauchen und was hindert dich im Moment daran, diesen Schritt zu gehen?

Eine Einladung, nicht nur über Innovationsmethoden wie Design Thinking nachzudenken, sondern über die eigene Innovationsreife.

Weiterführende Literatur:

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